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Rollenberatung - Rollenberatung

Rollenberatung bzw. Rollenanalyse ist eine Beratungsform für  Rollenträger in Organisationen. Sie ist auf dem Hintergrund des sozialwissenschaftlich orientierten Beratungsansatzes der vom Tavistock Institute of Human Relations in London seit Ende der fünfziger Jahre durchgeführten Group-Relations-Conferences entstanden und seitdem  kontinuierlich erprobt und weiter entwickelt worden (vgl. Reed 1976, Weigand / Sievers 1985, Auer-Hunziger & Sievers 1991).Im Mittelpunkt der organisatorischen Rollenanalyse steht dabei die Gestaltung der professionellen Rolle des Supervisanden durch  die jeweilige Organisation und durch die Person des Rolleninhabers und zwar in ihren bewußten und unbewußten Anteilen.
In diesem Sinne ist die organisatorische Rollenberatung bzw. -analyse ein psychoanalytisch orientiertes Konzept der Einzelsupervision. Wie an anderer Stelle formuliert (vgl. Beumer 1998) muß ein Supervisionskonzept, das sich psychoanalytisch akzentuieren will, dabei immer einen doppelten Fokus haben: Zum einen bedarf es neben der Analyse sogenannter individueller Übertragungen im Arbeitskontext einer Einbeziehung der Verschränkung solcher Prozesse mit Erscheinungsformen des Unbewußten in der Organisation als Ganzer. Dabei hat der Begriff des Unbewußten in der Anwendung auf Organisationen etwas ‘Problematisches‘, weil er die simple Übertragbarkeit psychoanalytischer Konzepte, die aus der Analyse psychischer Prozesse bei Einzelnen gewonnen wurden, auf  Phänomene des Geschehens in Organisationen suggeriert. Da die Dynamik und Struktur von Organisationen sich aber grundlegend von individuellen Strukturen des Psychischen unterscheidet, werden in der fachlichen Diskussion statt dessen andere Begriffe vorgeschlagen wie etwa der Begriff der „Organisationskultur“ oder der „Latenz“ in Organisationen (s. Hondrich 1997). Ohne auf die damit zusammenhängende Diskussion näher einzugehen, bleibt festzuhalten, daß als Fokus der psychoanalytisch orientierten (Einzel-)Supervision immer das komplexe Zusammenspiel und Ineinander-Verwobensein von persönlicher Dynamik des Einzelnen und psycho-sozialer Dynamik in der Organisation im Blick zu halten ist. Eben diesen Anspruch versucht der Ansatz der organisatorischen Rollenanalyse bzw. Rollenberatung umzusetzen.
Entstanden ist die Rollenanalyse zunächst als Konzept für die Einzelberatung insbesondere von Managern, um ihnen bei der Erkundung ihrer Rolle, so wie sie entstanden ist, entwickelt und in der Organisation verwirklicht wird, zu helfen. Im Unterschied zur Teamsupervision oder zur Supervision in Organisationen ist dabei in der psychoanalytisch orientierten Supervision vor allem das Problem zu lösen, daß es häufig keine reale Erfahrung des Supervisors mit der Organisation gibt, sondern die gemeinsame Arbeit auf der Basis einer Analyse der Organisationsvorstellungen geschieht, die der Supervisand mitbringt. Dafür bietet das Konzept der „Organisation-in-the-mind“ eine Hilfe, ein Arbeitsmodell, mit dem die inneren Bilder, die jedoch nicht nur als persönliche Bilder aufzufassen sind, analysiert werden. Damit wird der Supervisand in die Lage versetzt, seine Rolle im Kontext solcher verinnerlichter Vorstellungen zu verstehen. Dieses Konzept soll im Laufe dieser Arbeit noch weiter erläutert und entwickelt werden. Das Ziel wird durch eine intensive Arbeit mit einem Berater erreicht, der im Rahmen von Workshops oder in einer Reihe von Treffen dem Rolleninhaber hilft, seine Rolle im beruflichen Kontext zu untersuchen und zu verstehen.
Entscheidend ist dabei, daß durch dieses Konzept  Einzelsupervision im eigentlichen Sinne keine Individualberatung bleibt und ebenso im Sinne einer psychoanalytisch fundierten Konzeption unterschiedliche Bedeutungsebenen einbezieht: Rollenberatung entspricht der Forderung, daß eine „Einzelberatung von Mitarbeitern – „Managern“ wie „Arbeitern“ – sich einerseits an der formalen Aufgaben- und Rollenstruktur eines Unternehmens orientieren und andererseits die psycho-soziale Dynamik verdeutlichen muß, durch die das jeweilige Verhältnis des einzelnen Rollenträgers und der Organisation geprägt ist“ (Sievers 1991, S. 272).

Mit dieser Betonung grenzt sich die Rollenberatung deutlich von Coaching-Konzepten ab. Unabhängig davon, wie diese Konzepte theoretisch und praktisch fundiert sind, legt der Begriff des „Coaching“  ein Vorgehen nahe, das Konflikte in Organisationen latent eher durch eine Beseitigung bzw. Behandlung persönlicher oder charakterlicher Defizite , d.h. durch Persönlichkeitsveränderungen zu lösen anstrebt und auf diese Weise allzu schnell unternehmens- bzw. organisationsinterne Konflikte pathologisiert. Darüber hinaus basiert  das dem Coaching-Begriff zugrundeliegende Lern- und Entwicklungsverständnis eher auf einer Art Training im Sinne des Instruierens, Anleitens oder Imitierens. Die Rollenanalyse versucht dagegen mit dem Ungewußten und dem Ungedachten in der Organization zu arbeiten und so der Trennung von Individuum und Organisation entgegenzuwirken. Lawrence hat darauf hingewiesen, daß auch vorherrschende sozialwissenschaftliche Methoden häufig den Mythos einer solchen Spaltung legitimieren.

Rollenberatung verfolgt dagegen ein Konzept der Reintegration: „Das Besondere dieses Ansatzes besteht darin, ganze Systeme und deren Beziehungen (relatedness) in den Mittelpunkt zu stellen und sich eben nicht in dem Reduktionismus zu verlieren, der so bestimmend für vieles ist, was als Sozialwissenschaft firmiert (Lawrence 1998, S.15).
Gleichwohl ist das Entscheidende, daß die Rollenberatung von der Exploration subjektiven Erlebens ausgeht, d.h. von den Erfahrungen, die der Supervisand im Rahmen seiner professionellen Rolle in der jeweiligen Organisation macht. Einer solchen Arbeit liegt ein  Konzept des Verstehens sozialer Systeme zugrunde, nach dem sich in den Erfahrungen Einzelner nicht nur Individuelles darstellt, sondern das Ganze und seine Teile in einem unauflösbaren Zusammenhang stehen und die Exploration einzelner Phänomene Interpretationen über das Ganze zuläßt

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